Wrightwood – Tehachapi

von | 21. Jun. 2022 | Allgemein, Pacific Crest Trail, Pacific Crest Trail PCT

11. – 19. Juni ca. 285 km

Samstag, 12. Juni 2022

Ich sitze frisch geduscht und ausgeschlafen im Café und habe ein kleines Frühstück bestellt. Das Mountain Man Frühstück vom Vortag hätte ich nicht mehr verdrücken mögen. Da öffnete sich dir Türe und Marc betritt den Raum. Total verdreckt und verschwitzt kommt er direkt vom Trail. Ich dachte mir, dass wir jeweils echt Scheisse aussehen, wenn wir so in die Dörfer kommen. Wirklich wie die Yetis von den hohen Bergen.

Er setzt sich zu mir an den Tisch. Nun bestellte er sich das Mountain Man Breakfast! Wir planen am späten Nachmittag weiter zu wandern. Bis dahin muss ich noch meinen Rucksack packen, auschecken und danach für die nächsten Tage einkaufen. Wir werden uns im Hardware Shop treffen und dann einen Ride an den Trailhead suchen.

Im Hardware Shop gibt es eine Liste von Trail Angel, die man anrufen kann. Als ich im besagten Shop ankomme war Marc bereits mit den Calls durch. Er wirkte leicht gestresst. Es hätte nur ein Einziger abgehoben und dieser Typ sei heute nicht verfügbar! Er sprach auch die Kunden im Shop an. Niemand hatte Zeit uns zu fahren.

Wir beschlossen im angrenzenden Restaurant einen kleinen Mittagslunch zu bestellen. Als eine mittelalterliche Frau das Restaurant betrat, versuchte ich sie anzusprechen. Doch sie reagierte nicht. Marc staunte mich mit offenem Mund an. Ich könne das nicht einfach so machen. Da hätte ich dann schnell ein #MeToo Problem. Ich lachte ihn aus und versuchte es bei der nächsten Dame. Und siehe da, wir hatten einen Ride an den Trailhead.

Wir wanderten einige Meilen und kamen an einen Ausflugspunkt mit Picknickbänken und Trailmagic. Trailmagic bedeutet, dass sogenannte Trail Angels vor allem Wasser, aber auch Snacks oder Früchte an den Trail stellen. Wir füllten unsere Wasservorräte auf. Da gesellten sich ein älteres Paar zu uns. Sie stellten sich als John uns Liz aus Los Angeles vor. Ob wir PCT Thru Hiker seien? Wie so oft entstand ein Gespräch. Auf jeden Fall streckten sie uns plötzlich Sandwiches, Gatorade und Chips hin. Sie hätten mit ihren Familien einen Tagesauflug gemacht und würden und das gerne schenken. Wir seien für sie etwas ganz Besonderes! Erfreut nahmen wir die Geschenke an und wanderten beschwingt weiter.

Nach einigen Meilen, kurz vor dem Aufstieg zum Mont Baden-Powell entschieden wir uns die Zelte aufzustellen. Der Platz war sehr schön und die Sonne schien ins Zelt. Das hatte leider den Nachteil, dass ich lange nicht einschlafen konnte, da das Zelt bis nach neun abends von den Sonnenstrahlen aufgeheizt wurde.

Wir hatten abgemacht, dass wir um vier in der früh noch im Dunkeln loswandern wollten, damit wir in der Morgenfrische den Mount Baden-Powell besteigen könnten.

Sonntag, 12. Juni 2022

Wie vereinbart machten wir uns noch in der Dunkelheit auf den Weg. Mein System im Zelt wird immer besser. Ich liege am Ausgang. Den Rucksack habe ich innen der Länge nach gelegt. Verpackungen, Säcke oder WC Utensilien, die ich brauche liegen nebeneinander oberhalb des Rucksackes. Alle elektronischen Geräte, die ich während der Nacht auflade hänge ich in die Lasche an der Zeltwand.

Im Schein der Stirnlampen geht es steil abwärts zum Parkplatz. Es ist der Ausgangspunkt zum Mount Baden-Powell. Auf dem Parkplatz stehen bereits einige Pickups. Dort haben Day Hiker übernachtet um ebenfalls auf den besonderen Berg zu klettern.

Dann geht es steil aufwärts. Der Ausgangspunkt liegt bei knapp 2’000 Metern über Meer der Gipfel bei 2’860 MüM. Also wieder sind über 800 Höhenmeter zu bewältigen. Mit dem Rucksackgewicht von ca. 20 kg rechne ich gute drei Stunden für den Aufstieg. Gleichmässig steil windet sich der Weg in Serpentinen am Berg entlang. Immer wieder schaue ich auf meine Garmin Fenix, wie lange es noch gehen würde. Da höre ich ein Schnaufen hinter mir und eine Gruppe von vier Männern schliesst zu mir auf. Mit leichten Tagesrucksäcken ausgerüstet sind die Jungs einiges schneller als ich und ich stehe zur Seite um sie passieren zu lassen. Sie stoppen und begannen ein Gespräch.

Was! Ich käme aus der Schweiz und würde den PCT wandern! Ein Thru Hiker! Völlig aus dem Häuschen stellte einer der vier sein Stativ auf. Das musste fotografiert werden. Sie fragten mich aus. Ich sei eine Inspiration und irgendwann würden sie so etwas auch machen wollen. Great und nochmals great und sowieso und überhaupt. Ich kann gar nicht begreifen, was da abgeht und bin etwas geflasht als sie weiter ziehen.

Als ich eine gute Stunde nach den Männern auf dem Gipfel ankam, wollten sie nochmals eine Fotosession. Sie schenkten uns ihren ganzen Proviant. Einer verbindet sich danach mit meinen Insta Account. Später finde ich die Bilder auf Instagram mit einem langen Text über die grosse Inspiration, die wir ihnen geschenkt hätten. Ich sage zu Marc: ,Hast du das Gefühl, wir seien etwas Besonderes?‘ ,Nein, überhaupt nicht!‘ meint der kanadische Thru Hiker.

Der Mont Baden-Powell hat seinen Namen von Lord Baden-Powell. Er war ein britischer Kavallerie Offizier. Der Lord war der Gründer der Boy Scouts, bei uns als Pfadfinder bekannt.

Als auch ich weiter wanderte kamen mir dutzende Trail Runner entgegen. Schwer atmend, mit wenig Wasser und leicht bekleidet hüpften sie über die Steine dem Gipfel entgegen. Da ich der talwärts wandernde war, habe ich auszuweichen, was ich natürlich gerne tue, denn es gibt mir jedes Mal eine Verschnaufpause.

Irgendwann fragte ich dann einen Athleten, was den das los sei? Sie würden für einen Hundert Meilen Run trainieren und seien von einer Laufgruppe aus Los Angeles!

Stundenlang wanderte ich danach durch verbrannte Erde, als ich nach einer Serpentine Rauch entdeckte. Irgendwo hinter mir brannte es. Mitten in verbrannter Erde und Wald bauten wir unsere Zelt auf und ich schlief bald tief und fest ein. In der Nacht wachte ich auf, als ein Kojote nah auf einem Hügel heulte.

Später habe ich erfahren, dass oberhalb Wrightwood ein Feuer ausgebrochen sei.

Montag, 13. Juni 2022

Das typische Rascheln weckte mich auf. Marc war dabei seine Siebensachen zusammen zu packen. Ich hatte verschlafen. Doch der Aufstieg auf den Mount Baden-Powell hatte einiges an Kraft gekostet. Als ich endlich fertig gepackt hatte, war Marc bereits unterwegs. Ich hatte Kopfschmerzen. Keine Ahnung warum, denn ich trank regelmässig genug. Vielleicht war es die Höhe. Wir waren immer noch auf über 2’000 Metern über Meer.

Ich liess den verbrannten Wald hinter mir. Grosse Pinien säumten wieder den Weg. Es war schattig und angenehm. Aus der FarOut App hatte ich gelesen, dass es einen Umweg geben würde. Einige Meilen mussten wir über einen Highway durch die Berge wandern. Am Highway war so etwas wie eine Raststätte. Das bedeutet, dass es ein Plumsklo und einige Campingtische hatte. Doch meistens waren die Toiletten so schmutzig, dass wir lieber hinter den Busch gingen.

Ich sass an einem der Picknicktische, als eine sich eine junge Frau näherte. ‚Are you Hans?‘ sie schaute mich fragend an. Ich war erstaunt. Warum kannte jemand, der aufholte meinen Namen. ‚Yes, I am?‘ antwortete ich ebenso fragend. Sie strahlte mich an, streckte mir ihre Hand hin und meinte: ‚Hoi, ich bi d’Sarah!‘ in wunderschönem Bündner Dialekt. Ich war baff! Sie hätte gestern vor einigen Meilen erfahren, dass da vorne eine Schweizer sei und dachte sich, dass sie den nun einholen wolle. Wir plauderten und tratschten. Sie teilte mir noch mit, bis wohin sie heute wandern wolle. Das schien mir etwas weit.

Durch die Plauderei hatte ich den Anschluss an Marc verloren. Doch das ist völlig normal. Später erfuhr ich dann, dass Sarah zu Marc aufgeschlossen hatte.

Eines meiner Ziele für heute war es um 15:00 Ortszeit in die Schweiz anzurufen. Da wäre es dort Mitternacht und meine Traumfrau hatte Geburtstag. Doch wie es in den letzten Tage oft so spielte, hatte ich keinen Handyempfang. Also nahm ich kurzerhand Kontakt über Satellit mit meinem Garmin InReach auf und sendete Geburtstagsgrüsse. Und siehe da. Nach ein paar Minuten erhielt ich ebenfalls über Satellit Antwort! Für mich war damit das Tagesziel erreicht. Trotzdem wanderte ich in grossen Schritten weiter. Ich wusste, dass die Chance gross war am Ausgang des Tales, in dem ich mich befand wieder Netz zu haben. Und siehe da. Ich legte mich gemütlich in den Schatten und rief zuhause an. Der Tag war gerettet! Und da es grad so gemütlich war kochte ich mir etwas zu essen. Frisch gestärt ging es noch einige Kilometer weiter. Auf einem Geländeübergang fand ich ein wunderschönes Plätzchen, baute mein Zelt auf und war bald eingeschlafen.

Dienstag, 14. Juni 2022

Natürlich hatten Sarah und Marc nun einen schönen Vorsprung. Ursprünglich hatte ich geplant in zwei Tagesetappen nach Acton zu wandern. Dort gab es einen Campingplatz mit Store, Duschen und Laundry. Doch das hiess nun an diesem Tag 20 Meilen oder 32 Kilometer zu wandern. Ich schaffte es zum Glück wieder im Morgengrauen zu starten und ohne besondere Vorkommnisse konnte ich diese Strecke zurücklegen. Doch die Wüste ging mir langsam auf den Wecker. Es war immer dasselbe. Mal ein paar Pinien, dann wieder Gebüsch. Aber immer heiss und oft windig. Immer mehr hatte ich das Gefühl ich würde im Kreis wandern und hinter dem nächsten Hügel wäre wieder die mexikanische Grenze. Doch genau in diesem Moment lag plötzlich der 400 Meilen Marker vor mir. Mit Steinen hatte jemand eine 400 in den Sand gelegt. Ja also! Es ging vorwärts.

Mittwoch, 15. Juni 2022

Wieder startete ich sehr früh. Ich filterte viel Wasser an der letzten Wasserstelle bis zum Campingplatz und machte mich auf den Weg. Wieder bot sich dasselbe Bild. Ein paar Pinienwälder, Gebüsch, Steine und Sand. Und Hitze bis zum abwinken. Zum Glück ging immer ein sanfter Wind, der etwas Abkühlung brachte. Vor einer Firestation kam mir ein Trupp Freiwilliger entgegen, die den Trail räumten und flach machten. Alle trugen Schutzbekleidung und Helme bei dieser Hitze. Ich bedanke mich bei jedem Einzelnen im vorbei gehen. Auf der Firestation konnte ich zum Glück nochmals Wasser filtern. Ich legte mich für ein paar Stunden in den Schatten. Im späten Nachmittag ging es weiter bis zum Campingplatz. Dort warteten Sarah und Marc auf mich. Sie hatten bereits ihre Wäsche gemacht, waren frisch geduscht und bestellten Pizza für alle. Da ich erst angekommen war musste ich noch duschen. Ich wollte die Wäsche waschen und trocknen. Dadurch wurde es sehr spät und ich kam erste nach neun Uhr abends ins Zelt!

Donnerstag, 16. Juni 2022

Es wurde eine laute Nacht. Auf diesen Campingplätzen standen die riesigen Trailer. Noch grössere dreiachsige Wohnmobile und Zelt mit Familien, die anscheinend kurze Ferien machten. Da war es logisch, dass irgendwo bis Mitternacht gefeiert wurde. Gleichzeitig war der riesige Platz eingeklemmt zwischen Bahntrassee und Highway. Für Lärm war also gesorgt. Bis heute ist mir nicht klar, warum in Amerika alle Züge so einen riesigen Mais machen müssen, wenn sie vorbei fahren. Der Zug pfeift nicht nur einmal, sondern mindestens sieben Mal. Ich schlief bis sechs Uhr morgens und machte mich dann auf den Weg. Es waren nur gut zehn Meilen, also sechzehn Kilometer bis Agua Dulce, dem nächsten kleinen Ort. Dort hatten wir in Serenty’s Oasis abgemacht. Als ich ankam, sassen alle im Schatten. Sie hatten sich vorgenommen abends zu starten und die Nacht durchzuwandern bis Green Valley. Das kam für mich nicht in Frage, da ich mich erholen musste.

Freitag, 17. Juni 2022

Es lief mir immer gut, wenn ich früh startete. So dachte ich mir, dass es mir noch besser gehen würde, wenn ich noch früher loswandern würde. Also machte ich mir ein Cowboy Camp und beschloss nach Mitternacht aufzustehen um im Schein der Stirnlampe nach Green Valley zu wandern. Also kroch ich noch am frühen Abend in den Schlafsack und schlummerte ein. Kurz nach Mitternacht wachte ich mit grossen Schrecken auf. Mein Schlafsack, meine Merino Schlafsachen und der seidene Glücksbringer Schlafsack meiner Traumfrau waren feucht. Im Prinzip war ich durchnässt. Es war kühler geworden. Eine Wolkenschicht verdeckte den Sternenhimmel. So hatte sich Feuchtigkeit entwickelt, die sich auf die Erde senkte. Nichts desto Trotz packe ich meine Siebensachen und ging los.

Doch bereits nach wenigen Metern musste ich meine Brille verräumen. Nebelschwaden beschlugen immer wieder die Gläser und ich konnte nichts mehr sehen. Auch ohne Brille sah ich tausend Tropfen, die die Nacht zur Geisternacht werden liessen. Es ging lange gerade aus. Ich froh sogar beim laufen und als es endlich aufwärts ging konnte ich langsam aufwärmen.

Ich hatte mir auf dem Campingplatz vor zwei Tagen den Fuss leicht verstaucht. Mit den Crocks übersah ich einen Stein und knickte leicht ein. Das rächte sich nun. Obwohl ich am Tag zuvor eine spezielle Story geboten hatte:

In Agua Dulce gab es zwei Restaurants, einen Liquor Shop, einen Hardware Shop und eine Veterinary Clinic. Ich dache mir, dass sich Pferde ja auch den Fuss verstauchen können. Also betrat ich die Klinik mit der Idee, dass ich die gute alte Pferdesalbe erhalten könnte. Es klappte. Ich erhielt eine Salbe, die ich dann jede Nacht auf den Fuss pflasterte.

Doch ich brauchte nun einfach nach jeder Pause einen oder zwei Kilometer bis mein Fuss wieder warm gelaufen ist, damit ich ohne Schmerzen wandern kann.

Mittags kam ich an einem Watercache vorbei, wo Trail Angels Wasser bereit gestellt hatten. Ich füllte nach und mache eine kurze Pause, wobei ich den Schlafsack, die Daunenjacke und den Seidenschlafsack zum trocknen auslegte. Dann ging es weiter!

Irgendwann war es dann später Nachmittag. Ich war fast den ganzen Tag seit zwei Uhr in der Nacht gewandert. Nichts ging mehr! Ich baute mein Zelt unter einem Pinienbaum auf und legte mich einfach in den Schlafsack. Als ich meine Merinowollsachen anziehen wollte, merkte ich erst, dass ich vergessen hatte diese auch zu trocknen. Doch ich war einfach zu müde und schlief irgendwie. Mitten in der Nacht wachte ich auf und merkte, dass ich in extremer Embryo Stellung am Rand des Zeltes lag. Ich hatte vor lauter Übermüdung nicht bemerkt, dass ich mein Zelt auf einem schrägen Boden installiert hatte. Doch immer noch zu müde schlief ich weiter.

Samstag, 18. Juni 2022

Es war das erste Mal, dass ich mich am morgen erstmal wach turnen musste. Meine ganze Wirbelsäule war verspannt. Ich packte alles zusammen und machte mich auf den Weg. Noch zehn Kilometer bis Green Valley und einer Tankstelle. Nun wir wissen alle, dass zehn Kilometer unendlich lang sind, wenn man denkt, dass es nur zehn Kilometer sind. Das habe ich mental noch nicht im Griff! Endlich kam ich auf die Strasse, die in den Ort führte. Ich begann der Strasse entlang zu wandern. Die amerikanischen Strassen sind alle sehr breit. Doch vor lauter breiten Strassen haben sie einfach den Gehweg vergessen. Also wechselte ich gefühlt ein halbes Dutzendmal die Strassenseite, damit mich kein Riesenauto überrollen würde.

Dann sah ich endlich die Tankstelle. Ich brauchte einfach eine Cola und ein Stück Käse, etwas Brot und Fleisch…! Als ich an der Kasse stand hörte ich wie die Kundin vor mir nach dem Wifi fragte. Schon wieder ein Problem gelöst. Denn im ganzen Tal gab es kein Netz! Ich setzte mich vor der Tankstelle in den Schatten und verpflegte mich.

Wenn auf dem Teil etwas funktionierte war es der Hiker Trash. So hatte ich erfahren, dass es einige Meilen voraus in Lake Hughes eine Straussenfarm gab. Sarah hatte mir mitgeteilt, dass sie dort den Tag verbringen würden um dann in der Nacht nach Hikertown zu wandern.

Gleichzeitig hatte ich vor einigen Tagen gehört, dass die Wassersituation immer schlimmer würde. Das bedeutet, dass es zwischen Hikertown und Tehachapi eine Strecke lang über 60 km kein Wasser gab!

Das war mir alles zu viel! Ich entschloss mich zu dieser Straussenfarm zu gehen um mich dort zu erholen. Doch als ich vor der Farm stand war sie geschlossen. Es war eine private Party und man konnte keine Hiker aufnehmen.

Kurzerhand orderte ich einen Uber und liess mich einige Meilen an den Trailhead zurück fahren. Von dort wanderte ich bis Hikertown und kam relativ spät abends an.

Über Facebook fand ich einen Trail Angel, der am anderen Tag von Hikertown nach Tehachapi fuhr. Ich war der Überzeugung, dass ich wandern wollte und kein Überlebenstraining machte.

Sonntag, 19. Juni 2022

Hikertown ist eine Stadt im Kleinformat dem wilden Westen nachempfunden. In den einzelnen kleinen Häuschen hat es Pritschen auf denen man mit seinem Equipment schlafen kann. Man ist vom Wind geschützt und braucht kein Zelt aufzustellen. Ich schlief tief und fest.

Der Trail Angel holte mich um neun ab und fuhr mit mir in einem grossen Bogen nach Tehachapi. Er zeigte mit den ersten Autorennkurs von Kalifornien, den Willow Springs Course – the fastest road in Californien. Die Rennautos bretterten mit höchster Geschwindigkeit über das schmale Asphaltband im Sand. Es ging den Hügel rauf, rundherum und wieder runter!

Im Radio lief Jump mit Van Halen. Plötzlich hielt der Driver Drumsticks in den Händen und trommelte den Rhythmus zur Musik aufs Lenkrad, während er das Auto mit den Knien lenkte. Es war unglaublich.

Dann läutete das Telefon und eine Hikerin wollte wissen, ob er einige von ihnen am Highway zu Tehachapi abholen könne. Also fuhren wir dorthin und luden sie alle auf. Es war ziemlich schlimm. Einige der Hiker konnten kaum mehr gehen. Dieser Abschnitt war wirklich sehr hart. Ich war sehr froh über meine Entscheidung, diesen Teil mit einem Flip Flop übersprungen zu haben. Ein Hiker mit dem ich anfangs gemeinsam unterwegs war erzählte, dass seine Frau nicht mehr dabei sei. Sie sei krank geworden und ausgestiegen. Ich bin froh, dass ich mich zum Teil defensiv verhalten habe. Oder anders gesagt. I hike my one Hike!

Als ich am Abend im Bett lag erhielt ich eine SMS von Yannick. Er ist bereits einen Montag länger unterwegs und teilte mir mit, dass die Sierra perfekt sei. Es läge nicht zu viel Schnee und Wasser gäbe es immer und überall. Aber ich solle auf die Strecke nach Tehachapi bis Kennedy Meadows achten. Da würde es nochmals richtig trocken sein!

Am Mittwoch, 22. Juni werde ich diese Strecke unter die Füsse nehmen um nach 6 – 7 Tagen die Wüste hoffentlich endlich hinter mir zu lassen.

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