Mount San Jacinto Peak 3’302 MüM

von | 3. Jun. 2022 | Allgemein, Pacific Crest Trail, Pacific Crest Trail PCT

26. Mai – 27. Mai 2022, nicht so viele Kilometer aber umso mehr Höhenmeter!

Ein alter verbeulter Audi stoppte neben mir. ‚Do you hike the PCT?‘ rief mir die ältere Dame am Steuer zu. Auf dem Beifahrersitz sass wahrscheinlich ihre Tochter. Ich antwortete, dass das so sei! Dann solle ich doch zu ihnen ins Auto steigen. Sie würden mich nach ‚Humber‘ Park fahren. Das sei der Trailhead.

Das war ja auch mein Plan. Also stieg die Tochter aus und räumte die Koffer vom hinteren Sitz in der Kofferraum, so dass ich für meinen riesigen Rucksack und mich Platz finden würde. Die Mutter erklärte, dass sie grad da oben wohnen und es sei für sie absolut kein Umweg. Sie fuhr Kehre und Kehre und ich wunderte mich mit jeder Kurve mehr. Mein Plan war nämlich mehr links von Idyllwild aus wieder in den PCT einzusteigen und somit Mount San Jacinto auszulassen. Irgendwann zeigte sie dann auf ein Haus rechts der Strasse. ‚Da wohnen wir!‘ fuhr aber munter noch 15 Minuten weiter den Berg hinauf der rechten Seite zu.

‚Jä nu, wird schon gut gehen‘ ging es mir durch den Kopf. Als wir anhielten stand da ein Schild ‚Humber Park Trailhead‘. Ich bedankte und verabschiedete mich. In diesem Moment kam ein Hiker aus dem Wald und machte mich darauf aufmerksam, dass es einige hundert Meter weiter oben eine etwas aggressive Klapperschlange hätte. Ich bedankte mich auch für diese Information.

Ich war nun auf ca. 1’600 Meter über Meer angelangt. Mein Ziel war eine Plateau auf ca. 2’700 Metern über Meer. Langsam setzte ich einen Schritt vor den anderen. Es war unglaublich heiss. Immer wieder kamen mir Tagesausflügler entgegen oder leicht bekleidete Hiker mit kleinen Rucksäcken überholten mich. Die Trails am Mount Jacinto waren etwa so beliebt wie im Alpstein Säntis, Kronberg, Ebenalp und Hoher Kasten. Nur findet man hier keine Bahn und nicht jede Stunde eine Bergbeiz!

Wasser war auch auf diesem Aufstieg ein Thema. Ich hatte mir angewöhnt immer genug davon mitzunehmen. So war ich an diesem Tag mit fünf Litern im und am Rucksack gestartet.

Es ging extrem steil nach oben. Der Rucksack war mit Wasser, Proviant, Schlafsack, Schlafmatte und einigen wenigen weiteren Artikeln gut und gerne 20 kg schwer. Der Schweiss drang aus allen Poren.

Die Landschaft hingeben war wieder wunderschön. Riesige Lerchen säumten den Weg. Sie spendeten Schatten. Auf ca. 2’762 Metern über Meer hatte ich mein Ziel erreicht. Ich stand an einer Verzweigung. Es gab die Möglichkeit weiter auf dem PCT den San Jacinto Peak zu umgehen oder über den Berg zu steigen, um dann wieder dem PCT zu folgen.

Ich baute mein Zelt in einer windgeschützten Mulde auf und schlüpfte schnell in den Schlafsack. Wie jeden Abend gab ich über ‚Garmin Inreach‘ meiner Traumfrau den Standort durch. Dann studierte ich das weitere Vorgehen. Auf dem Weg über den Berg gab es nach 5 km Wasser. Auf dem Trail kam das Wasser erst nach 15 km. Also rauf auf den Berg.

Irgendwann mitten in der Nacht wachte ich auf, weil ich mal raus musste musste. Gleichzeitig merkte ich, dass meine ultraleichte Luftmatratze Druck verloren hatte und ich mit dem Hüftknochen auf dem Boden lag. Mist, nun hiess es also ab sofort in der Nacht nicht mehr Pinkelpause, sondern pinkeln und pumpen!

Ich hatte mir vorgenommen am Morgen nicht mehr im Zelt zu liegen bis es hell war. Denn ich konnte ebenso gut im Licht der Stirnlampe alles vorbereiten um angezogen aus dem Zelt zu kriechen. Den Rucksack hätte ich dann auch schon provisorisch gepackt. Also wuchtete ich mich und den Rucksack raus, baute das Zelt ab, verpackte alles und konnte weiter wandern.

An diesem Morgen war ich mit starken Kopfschmerzen aufgewacht. Ich dachte nicht lange nach und nahm eine Kopfwehtablette. Der Weg wurde immer steiler. An einer kleinen Quelle filterte ich Wasser, so dass ich wieder für den ganzen Tag genug hatte. Es wurde immer steiler. Meine Puls immer höher und irgendwann musste ich mir eingestehen, dass das so nicht weiter gehen konnte! Ich setzte mich unter einen der letzten grossen Bäume in den Schatten und fing an zu meditieren. Mein Herz war in Ordnung. Das hatte ich in den letzten Jahren mehrmals bestätigt erhalten nach Untersuchungen auf Grund von Herzrasen. Auch meine gute Freundin und Therapeutin Karin Volkart hat es mir bestätigt. Wie meine Traumfrau sagte sie mir, dass ich viel Zeit hätte, dass diese Zeit momentan mein grösstes Kapital sei. Der Fehler, den ich machte, war die Kopfwehtablette am Morgen. Das tat meinem Kreislauf nicht gut. Doch nach zwei Stunden Pause und nachdem ich mir einfach Zeit gegeben hatte, ging es weiter.

Es war ein wunderschöner Aufstieg. Die Hitze liess nicht nach. Am Wegesrand lagen Schneeresten. Der Trail schlängelte sich über Felsen und an umgestürzten Bäumen vorbei. Dieser Weg war nun kein Teil des PCT mehr, sonder ein sogenannter Side Trail. Das merkte man gut, den oft musste ich über Felsen klettern oder der Weg ging steil, fast überhängend nach oben.

Zum Ende ging es nur noch senkrecht hinauf. Mit beiden Hände, manchmal auf allen Vieren kraxelte ich weiter. Wie ein Käfer mit einem Rucksack! Irgendwann stand ich dann auf über 10’834 Fuss. Ich hatte also mit einem 20 kg schweren Rucksack und in gleissender Hitze einen 3’302 Meter hohen Berg bestiegen. So nebenbei und das erste Mal in meinem Leben!

Ich schaute auf mein Handy – Empfang – sofort musste ich meine Traumfrau anrufen!

Na ja, ich gebe allen Recht, die sagen, dass ich nicht ganz normal sei!

Doch noch stand der Abstieg bevor. Durch meine lange Pause musste ich Gas geben! Konzentriert setzte ich einen Fuss vor den anderen und vernichtete um die tausend Höhenmeter. Dann führte der Trail an einen kleinen Wasserfall. Was für eine Überraschung, dass ich dort die Weggefährten von vor vier Tagen antraf. Eigentlich verabredete wir uns noch drei oder vier Meilen zu wandern um uns dort zu treffen. Doch nach zwei Meilen fand ich einen wunderschönen Spot und stellte mein Zelt auf.

Der Ausflug auf über 3’300 Meter hatte viel Kraft gekostet und ich nahm mir vor einfach mal zu schlafen!

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