Mount Laguna

von Mai 13, 2022Pacific Crest Trail PCT

12. Mai 2022 Zero Day

Zero ist die Bezeichnung im Hiker Slang für einen Ruhetag. Die ersten vier Tage haben an mir gezerrt.

Es kommt dazu, dass ich hier keinen Wettkampf mache. Ich will von der mexikanischen an die kanadische Grenze wandern und habe dafür sechs Monate Zeit. Das ist der Punkt.

Das muss ich auch immer wieder zu mir selber sagen.

Nun, als ich in meinem Tiny House in Mount Laguna eintraf war ich einfach mal enttäuscht. Es war ein kleines, schlecht zusammen gebautes Tiny House. Man versuchte einfach mit vielen kleinen, nicht ganz fertig gedachten Details Stimmung künstlich herzustellen. Das Bett war nicht mehr als eine Pritsche mit einer Matratze drauf. Doch sogar das war besser als im Zelt zu schlafen, denn es gab eine Dusche und ich hatte warm. Also warm solange, bis ich mitten in der Nacht merkte, dass es keine Heizung gab und die Temperatur um den Nullpunkt gesunken war. Schlafsack, Daunenjacke und kuschlige Kappe, waren die Lösung. Heute morgen entdeckte ich dann die Heizung…

Ich wollte nachmittags nach meiner Ankunft meine Wäsche waschen und suchte die Coins Laundry auf. Nur hatte ich weder Coins noch Waschmittel. Zurück an die Reception um Waschmittel zu besorgen. Ein Tap kostete einen Dollar. Tap mitgenommen. Coins im Restaurant organisiert und alles rein in die Maschine. Da lese ich ‚Dryer‘. Mist der Tumbler sah aus wie meine Waschmaschine und daneben stand der ‚Washer‘ – doch ich hatte keine Coins mehr. Also zurück ins Tinny House. Die ganze Wäsche von Hand gewaschen. Zurück zum ‚Dryer‘, dort waren bereits 20 Minuten abgelaufen. Wäsche rein und noch etwas trocknen lassen. Ins Restaurant, das um vier schliessen würde gehen um schnell ein To Go Menu zu bestellen. Im Tiny House essen und dann die Wäsche überall verteilen. Nun es ist alles trocken und war einmal nass. Einmal angezogen und ich stinke wieder wie vor einem Tag.

Doch sonst ist hier alles wundervoll amerikanisch. Als ob man eine Filmkulisse für eine Netflix Serie aufgestellt hätte. Wenn einer Campingplatz sagt, dann bedeutet das ein Platz für einen Aufleger mit zwei Achsen. Etwas so gross wie ein kleines Einfamilienhaus in der Schweiz. Daneben für jeden ein Riesengrill oder ein Smoker und riesige Tische.

Es gibt eine US Postal Office und einen General Store. Ich warte, dass John Wayne vorbei reitet. Das passierte leider nicht. Doch die Dame im Post Office war mega nett. Ich gab eine Bounce Box auf. Das Paket würde nun in Warner Springs auf mich warten. Dort kann ich an der Postschalter gehen und wenn ich es nicht öffne, darf ich es gratis an die nächste Adresse weiter senden.

So erstellte ich also ein Inventar der Dinge, die ich nicht sofort brauchte und packte alles in diese Box. Es waren 2 kg Dinge, die ich also einfach so über 50 Kilometer geschleppt hatte. Wie dumm muss man sein!

Nun werde ich noch meinen Rucksack neu organisieren, damit mir einfach alles leichter von der Hand geht. Auch das Wasserschleppen organisiere ich besser. So werde ich morgen mit 5 Liter starten, denn nach 11 km und 18 km kann ich auffüllen.

Der Tag heute hat mir gut getan. Ich habe die Ruhezeit gebraucht.

Sorgen machen mir meine Füsse. Aber nicht so, wie ich es erwartet hätte. Meine grossen Zehen sind beide auf der Fussinnenseite entzündet. Ich habe noch keine Ahnung, wie ich das in den Griff bekommen.

Ich denke, was ich lernen muss ist, dass es möglich ist, mit sehr, sehr wenig über die Runden zu kommen. Dann hätte ich auch nicht so enttäuscht auf dieses Tiny House reagiert.