Mount Laguna – Julian

von | 17. Mai. 2022 | Allgemein, Pacific Crest Trail PCT

13. – 15. Mai 2022 59 km gewandert

Ich war gut unterwegs. Meine grossen Lowa Wanderschuhe liessen den Staub stieben. Doch da erschrak ich fürchterlich. Ich sah nur ein etwas züngeln und blickte auf den Kopf einer Klapperschlage. Im letzten Moment hatte ich das Tier erkannt, dem ich sozusagen auf den Kopf getreten war.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihr sogar mit meinem linken Walking Stück eins auf den Schädel gehaut habe. ‚Was wotsch, gopf, chasch nöf eifach klappärä, damit ich nöd so verschreckä?‘ Gleichzeitig machte ich zwei drei schnelle Schritte vorwärts, drehte mich um und schaute nun doch etwas neugierig, was das Tier nun machen würde.

Sie bewegte sich in meine Richtung und ich fuchtelte mit meinen Stöcken. ‚Hau eifach ab!‘ Da dreht sich die Schlange ab und verschwand im Gebüsch. Erst jetzt merkte ich, dass ich eine Scheissangst hatte. Es reichte noch ganz knapp um ein Foto der sich windenden Schlange zu schiessen und schon ging es weiter. Ich war mächtig erleichtert. Hatte ich doch die Schlange mit klarer Toggenburger Ausdrucksart vertrieben!

Ich war am Vortag nicht allzu früh in Mount Laguna aufgebrochen. Es ging einige Stunden durch dichte Walder mit kräftigen Kiefern. Der Pfad war breit und wie immer sehr staubig. Wobei man sich breit so vorstellen muss, dass die Walkingstöcke gerade genug Platz hatten, neben dem Pfad einzustecken. Doch die meiste Zeit liess ich die Stöcke vor mich in baumeln um sie nur bei kleinen Steigungen oder zum sichern beim abwärts wandern zu benutzen.

Dann wurden die Kiefern immer weniger. Büsche säumten den Weg. Noch vor wenigen Tagen sahen diese Büsche aus wie Rosmarin. Nun ähnelten sie eher Thymian. Doch Geruch hatten beide Gebüsche keinen. Schmackhaft war jedoch der wilde Salbe der überall wuchs und da und dort wunderschöne Blüten trieb.

Im späteren Nachmittag passierte ich die 50 Meilen Marke und fand dann einen wunderbaren ‚Spot‘, auch ‚Tentsite‘, wo ich mein Zelt im Schutz eines riesigen Felsen aufbauen konnte.

Einen weiteren wunderbaren Sonnenuntergang später schlief ich tief und fest und erwachte nur, weil ich mal dringen musste. In meiner Nähe campte eine Gruppe junger Amerikaner im Cowboy Camping. Mitten in der Nacht hörte ich das Geraschel, als sie sich auf den Weg begaben um einige Meilen vor Sonnenaufgang hinter sich zu bringen.

Ich war – wie immer – morgens um sieben der Letzte, der den Rucksack schulterte. Mein Ziel waren noch einmal 25 Kilometer um dann nah dem Trailhead zu sein, von wo ich nach Julian trampen würde.

Es lief ganz ok. Ich passierte die Klapperschlange ohne Gefahr. Es ging für meine Begriffe zügig voran. Was ich unterschätzt hatte war das Wassermanagement. Ich startete jeweils mit ca. 7 Litern in verschiedenen Flaschen und Beuteln. Wobei jeder Liter gefiltert werden muss. Ich wusste, dass ich nach ca. 12 km die Möglichkeit hatte meine Vorräte aufzufüllen, damit ich dann für das Nachtessen und für die restlichen km am darauf folgenden Tag genügen Wasser haben würde.

Die Landschaft wurde immer karger. Nur noch Sand, Kakteen und einzelne Büsche säumten den Weg. Wieder fand ich nach ca. 26 km einen wunderschönen Spot in einer kleinen Senke. Es war den ganzen Tag sehr heiss und ich hatte den Tagesablauf nach wie vor nicht im Griff. Der geschützte Spot hatte einen grossen Nachteil. Es wurde in der Nacht nicht kühler. Die Luft staute sich zwischen den Steinen. Das führte dazu, dass ich nicht abkühlen konnten und immer wieder erwachte, weil ich unglaublich Durst hatte.

Morgens waren dann noch 1.5 l Wasser da. Ich sollte etwas zu essen kochen und hatte noch 9.9 km Strecke vor mir. In der Nacht ging es mir nicht so gut. Ich hatte Hitzeschübe und hohen Puls. Das machte mir doch etwas Angst.

Frühmorgens versuchte ich mein Camp abzubauen, was mir mit Müh und Not gelang. Dann ging es los. Gleich zu Anfang war ein Aufstieg über einen Kilometer zu bewältigen. Mein Puls wollte sich nicht beruhigen. Ich trank in kleinen Mengen, drehte das Wasser im Mund, bevor ich es schluckte, damit ich länger Flüssigkeit hatte.

Dann konsultierte ich die FarOut App und stellte fest, dass es nun über 9km fast immer abwärts ging. Doch jeder noch so kleine Aufstieg machte mir grosse Mühe. Ich wanderte vor mich hin, Step by Step, Mile by Mile!

Endlich kam ich mit dem letzten Schluck an meinem Tagesziel an. Dort standen Gallonen von Wasser. Ein liebenswürdiger Trail Angel begrüsste mich und meinte: ‚Just Relax, take it easy man!‘

Das war genau der Punkt. Ich hatte während dieser drei Tage immer wieder Gespräche mit anderen Hiker. Es ist unglaublich, wie jeder lügt in Sachen, wie viele Meilen er macht. Ein deutschsprechender Hiker hielt mir Vorträge über meine Schuhe, meinen Rucksack und überhaupt. Was ich daraus gelernt habe?

I make my one hike!

Der liebenswürdige Trail Angel, er nannte sich ‚H‘, chauffierte mich dann in seinem rieseigen GMC Truck nach Julian. Dort wollte ich eine Nacht bleiben.

Doch weil ich einfach erschöpft war wurde dann eine ganzer Zero daraus.

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