Kennedy Meadows – Mount Whitney Base Camp

von | 8. Jul. 2022 | Allgemein, Pacific Crest Trail, Pacific Crest Trail PCT

29. Juni 2022 – 3. Juli 2022, km 1130.3 – km 1232.7

Kennedy Meadows bedeutet das Ende der Wüste und der Beginn der Gebirge der Sierra. Hier steigen die Hiker von rund 2’000 auf über 3000 MüM in die High Sierra ein.

Die zwei Tage in Ridgecrest haben  gut getan. Stundenlang sassen wir mit Corona aus Flaschen im Pool, haben getratscht und philosophiert. Meine Verdauung hatte sich normalisiert und mein Gemütszustand verbesserte sich mit jeder Minute. 

Dann kauften wir Food ein. Mit gemeinsamer Kraft reparierten wir die Wanderstöcke. Meine Wanderschuhe brauchten neue Schuhbändel. Der Rucksack musste mit dem ‚Bear Canister‘ neu organisiert werden.

Die Wüste hatte mich kaputt gemacht. Es war heiss und trocken. Nun würde ich in die Berge eintauchen und darauf freute ich mich von ganzem Herzen. Ich wollte durch richtige Berge wandern. Berge aus Felsen und Steinen. Mit Seen und Bächen. Ich hatte genug von Staub und 3’000 Metern hohen Sandhaufen.

Ab Kennedy Meadows würde nun das richtige Abenteuer losgehen. Lange sassen wir an diesem Abend auf der Veranda. Wir tratschten, genossen Kübelweisse Glace und machten Witze darüber,  welches Sorte mehr Kalorien hatte. 

Am Vormittag des nächsten Tages machte ich mich wieder auf den Weg. Ich war frohen Mutes, würden doch bald Wälder aus Tannen und richtige Berge meinen Weg säumen. 

Doch die Enttäuschung war gross, als auch nach dem Schild ‚Seqouia National Forest‘, Büsche und Sand den Weg säumten. Wo waren die Berge, Felsen und Tannen? 

Nach rund zwanzig Kilometern traf ich  Zorah und Christian aus Deutschland und stellte mein Zelt auf. Später gesellte sich Marco zu uns und wir waren in einer lustigen Runde. Bereits vor einigen Wochen traf ich Marco im Whitewater Preservat. Er hatte grosse Probleme mit einem Knie und war dabei den Trail abzubrechen. Nach einigen Tagen unter ärztlicher Aufsicht konnte er weiter wandern. So traf ich nun einen Hiker Buddy aus Wil SG und es machte natürlich Spass, wenn wir uns auf Schweizerdeutsch, statt in englisch unterhalten konnten. 

Frühmorgens hörte ich das Geklapper von Zeltstangen und als ich aus meinem Zelt kroch, konnte ich Zoran und Christian grad noch zum Abschied winken. 

Auch ich machte mich auf den Weg. Als ich mich verabschiedete meinte Marco, dass er sich noch einen Kaffee kochen würde. Ich wanderte jeweils an paar Kilometer, bevor ich einen Frühstückshalt machte. Als ich meinen Kaffee genüsslich trank holte mich Marco wieder ein. 

An der nächsten Wasserstelle füllte ich meine Flaschen. Ein kleines Rinnsal tropfte über ein grünes Blatt und machte es mir möglich Wasser zu filtern. Doch die Abstände zwischen den einzelnen Wasserstellen war immer noch über zwanzig Kilometer. Es hatte sich also nicht viel geändert. Nach gut zwanzig Kilometern auf einer Anhöhe baute ich mein Zelt auf. Als ich mir gerade ein Nachtessen kochte, tauchte auch Marco auf. Wir beschlossen uns nun abzusprechen, wo wir uns abends treffen wollten. Als wir bereits in die Schlafsäcke schlüpften tauchten die Hiker ‚Happy Feet‘, ‚Pacemaker‘, und ‚Kitty Hawk‘ ein. ‚Pacemaker‘ – eine junge Frau aus Hamburg hatte mir in Kennedy Meadows meinen Trailnamen verpassen. Da ich in der Schweiz  ‚Chef und Owner of a restaurant‘ war, meinte sie kurzerhand, dass ich nun einfach ‚Chef‘ sei! 

Langsam wurde es kühler. Die Landschaft änderte sich und ab und zu tauchte eine grüne Wiese auf. Als wir nach einem langen Abstieg an die Wasserquelle von Diaz Creek kamen traf ich auf ein Ehepaar aus Ohio. Die Frau litt an einer Höhenkrankheit und konnte nicht mehr weiter. Ein Ranger hatte sie bereits beraten. Es hiess nun einfach warten. Leider ging es von diesem Punkt auf beiden Seiten auf über 3’500 Meter in die Höhe. 

Ich nahm den Anstieg unter die Beine und nach einigen Stunden war ich auf der nächsten Anhöhe.  Wir erreichten den ersten See der Sierra. Es war der Chicken Spring Lake auf 3419 MüM. Ein ruhiger See inmitten von steilen Felswänden. Die Oberfläche des Sees schimmerte abwechslungsweise in verschiedenen Farben. Einfach prächtig anzusehen. 

Nun wollten wir noch einige Meilen wandern und im Schutz einiger Felsen bauten wir unsere Zelte auf. Wir hatten einen wundervollen Ausblick über ein riesiges Tal. Endlich waren da Berge, Seen, Felsen und ich fühlte mich wohler. 

Am nächsten Tag würden wir das Basislager zum Aufstieg auf den Mount Whitney erreichen. In einem Abstieg überholte mich ‚Kitty Hawk‘. Seine Gruppe war kurzerhand nach ‚Lone Pine‘ hinunter gestiegen um einen Resupply Stopp zu machen. Er strahlte mich an und meinte nur: ‚Withney is calling!‘ 

Eigentlich hatte ich mir bis dahin keine Gedanken gemacht, ob ich den Mount Whitney besteigen wollte. Der Aufstieg 3’000 Metern über Meer auf über 4’450 Metern über Meer bedeute eine Herausforderung.

Der Weg dahin war beschwerlich. Es ging rauf und runter. Irgendwann stand Marco am Wegesrand und meinte, dass er den Mount Whitney auslassen würde. Er wollte weiter auf den Forester Pass und dann über den Kearsage Pass nach Independence wandern um seine Vorräte aufzufüllen. 

Ich hatte mich noch nicht entschieden. Daher beschloss ich zum Basis Lager zu gehen, dort mein Zelt aufzustellen um zu spüren, was mein Ziel war.  Am Abend des 3. Juli 2022 kam ich im Basislager an und wurde von ‚Happy Feet‘, ‚Pacemaker‘ und ‚Kitty Hawk‘ begrüsst. 

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