Forester Pass – Kearsage Pass

von Jul 8, 2022Allgemein, Pacific Crest Trail, Pacific Crest Trail PCT

5. Juli – 7. Juli 2022

Magie pur. Volle Energie. Wälder, Seen und Berge aus richtigen Felsen. Mir schien, dass sich nach der Besteigung des Mount Whitney eine neue Welt auftat!

Frühmorgens wanderte ich los. Mein Ziel war am ersten Tag eine Strecke von ca. 18 Meilen, also ca. 28 Kilometern zu wandern. Doch dazwischen lag ein kleiner Pass auf 3’500 m und der Forester Pass.

Der Forester Pass war mit 4’000 m der höchste Punkt auf dem PCT. Doch ich hatte noch für anderthalb Tage Verpflegung und musste den Trail verlassen.

Das ging nur, wenn ich den Foresterpass hinter mich liess um danach einen Abstieg auf 2’800 m zu bewältigen. Dann würde ein Side Trail über den 2’600 m hohen Kearsage Pass in das kleine Örtchen Independence führen.

Es war magisch. Nach einem kurzen Aufstieg öffnete sich mir eine Landschaft mit Bergseen, Wäldern und grünen Wiesen. Dann ging es runter an einen Fluss. Die Sierra war sozusagen schneefrei. Die Flussüberquerungen kein Problem. Bereits kündigte sich ein neuer Aufstieg an. Ich hatte plötzlich unendliche Energie. Die Landschaft war magisch. Oft hielt ich an und schaute einfach um mich, erstellte Videos und schoss Fotos.

An einem kleinen Fluss machte ich Mittagspause. Da stand plötzlich ein Ranger vor mir. Strahlend fragte ich, ob er ein richtiger Ranger sei. Rob erklärte mir, dass er Anfang Saison in seine Hütte steige. Der Helikopter bringe alles, was er für diese lange Zeit brauche und er würde den Nationalpark nicht mehr verlassen, bis im Herbst.

Er sei vor allem für die Tiere da. Dabei schütze er die Tiere vor den Menschen. Beobachte die Tier- und Pflanzenwelt und helfe Menschen aus Notsituationen.

Inzwischen wanderte ich im Sequoia Nationalpark. Der Wald war dicht und dann und wann schimmerte das Blau eines Bergsees durch die Äste. Ich sah zwei Hirsche auf einer grünen Wiese ässen. Dutzende Murmeltiere und Streifenhörnchen verschwanden erst in letzter Sekunde in ihre Bauten.

Dann folgte der Aufstieg zum Foresterpass. Über eine wunderschöne Hochebene wanderte ich langsam der Bergkette entgegen. Alles paar Meter plätscherte ein Bach quer über den Trail. Rechts und links lagen tiefe Seen.

Ich machte kurze Rast. Es war bereits später Nachmittag. Da schloss Jason aus San Diego zu mir auf. Er wanderte den JMT. Der John Muir Trail verlief nun einige Tage mit dem PCT. Die PCT Marker waren verschwunden und nur noch der JMT war gekennzeichnet.

Ich frage Jason, wo den nun der Foresterpass sei. Er zeigte auf eine senkrecht vor uns ansteigende Felswand. ‚That’s the trail. Switchback after switchback!‘

Ich schluckte und sah nur diese eine Felswand. Wieder schaltete ich in meinem Bergschritt. Einen Schritt nach dem anderen ging es in den Trail, der vor über hundert Jahren in die Wand gehauen wurde. Auf einer Seite die Felswand, auf der anderen der Abgrund.

Da kam mir ein junges Pärchen entgegen. Fröhlich plaudernd zogen sie an mir vorbei. Der Mann trug… Flip Flops! Mir stockte der Atem. Mit war schon oft aufgefallen, dass die Amerikaner eine spezielle Ansicht von Schuhwerk in den Bergen hatten. Doch das hatte ich noch nie gesehen. Ich fühlte mich in meinen schweren Wanderschuhen wohl und sicher.

Dann ging es um eine Ecke und nochmals etliche Switchbacks nach oben und endlich stand ich da auf 4’000 Metern über Meer. Der nächste Höhepunkt auf meinem Trail. Ein paar Selfies, ein Video für meine Liebsten und mit raschen Schritten ging es talwärts.

Es war bereits später Nachmittag und ich wollte noch sechs Kilometer den Berg hinunter wandern um an einem kleinen See zu übernachten. Am Himmel hatten sich wunderschöne Blumenkohlwolken gebildet, die vom Wind teilweise um die Berggipfel geblasen wurden. Nun befand ich mich im Kings Canyon Nationalpark.

An etlichen Seen vorbei stieg ich noch 500 Meter und acht Kilometer den Berg hinunter. Dann baute ich mein Zelt auf und kochte mein Abendessen. Kartoffelstock und Thunfisch, beides aus dem Beutel!

Ich war in einem riesigen Talkessel und der Wind trieb immer weiter Wolken in die Enge. Wie immer befestige ich den Bärenkanister abseits meines Zeltes. Dann putzte ich meine Zähne und verkroch mich in den Schlafsack.

Am nächsten Tag wollte ich um vier Uhr aufstehen um bei erstem Tageslicht vor fünf loszuwandern. Da es weitere Hiker auf diesem kleinen Fleck gab verzichtete ich auf einen Wecker. Das führte dazu, dass ich ab drei Uhr im Zehnminuten Takt wach war. Doch pünktlich um fünf war ich bereit und wanderte weiter.

Es ging den Berg hinab bis auf 2’800 m.

In der ersten Steigung hielt mich eine junge Frau an. Sie war Ranger und wollte mein Permit sehen. ‚Wow, you hike to Canada?‘ Fast ehrfürchtig stellte sie die Frage. Sie informierte mich darüber, dass es fast keinen Schnee habe bis Lake Tahoe und wie ich mich bei Begegnung mit einem Bär zu verhalten hätte.

Dann verliess ich den PCT um auf den 3’600 m hohen Kearsage Pass zu gelangen. Auf diesem Pass gab es wieder einen unglaublichen Blick auf Seen und die Bergwelt der Sierra.

Doch noch musste ich sieben Kilometer ins Tal hinunter steigen. Sieben Kilometer, die ich nach einem Tag wieder nach oben wandern werde! Doch das kümmerte mich nicht, denn ich hatte absolut keine Verpflegung mehr und freut mich auf eine Dusche, frisch gewaschene Kleider und ein kühles Bier!

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