Die ersten vier Tage auf dem PCT

von Mai 12, 2022Pacific Crest Trail PCT

8. – 11. Mai 2022

66.7 km auf dem Trail

Nun stand ich also plötzlich vor dem Monument. Southern Terminus Pacific National Scenic Trail Established by Act of Congress on Oct. 2, 1968 Mexico to Canada 2650 Miles

Das Denkmal war kleiner, als ich es mir vorgestellt hatte. Doch ich war begeistert. Endlich war ich hier. Alles hatte geklappt.

Nach der üblichen Fotosession ging es auf den Trail. Es war saukalt. ‘Gute Wandertemperatur’ dachte ich mir. Doch nach einer Viertelstunde blies jemand die Wolken weg und auf einen Schlag war die Hitze da!

Erste Pause: Jacke in den überfüllten Rucksack stecken, Hosen verkürzen, weiter geht’s.

Dann der Mile 1 Marker. Es ging auf und ab und es war richtig heiss. Ich atmete schwer. Noch immer erkältet und mit einem viel zu schweren Rucksack. Ich hatte sieben Liter Wasser dabei. Das war Überlebens notwendig. Doch die acht Trockenfertigmenu waren zu viel. Ich würde höchsten einmal in der Wüste mein Essen zubereiten. Doch ab acht Menus gab es bei R.E.I 25% Rabatt…

Der Trail führe durch Wiesen und Wälder und vor allem durch Gebüsch. Der Schatten wurde immer weniger, der Rucksack schwerer. Was war ich für ein Idiot, dass ich so viele Sachen eingepackt hatte. Meine Traumfrau hat mir immer gesagt, schau auf jedes Gramm. Dann überquerte ich die berühmte Stelle an den Eisenbahnschienen mit dem Hinweis: Mexico 3 Meilen, Canada 2’647 Meilen!

Später fuhr auf diesen Schienen ein Zug, der genau soviel Lärm machte, wie die Bahn, die mitten durch mein Motelzimmer pflügte.

Dann fand ich ein schattiges Plätzchen und kochte mir ein Mittagsmenu. Es ging weiter durch Gebüsch, Sand und Staub und vor allem ging es nur noch aufwärts.

Im FarOut App sah ich eine Campsite nach 11.3 km. Es war wahrscheinlich einer der schönste Aussichtspunkte, die ich gefunden hatte. Vor mit breite sich ein riesiges Tal aus. Nur der Lärm dieses Zuges störte die ganze Szenerie.

Ich stellte mein Zelt auf. Es war erst 14:00 nachmittags, doch ich war Nudelfertig. Im Schatten des kleinen Vorzeltes schlief ich einfach ein. Abends noch ein Fertigmenu, bevor ich einfach 12 Stunden durchschlief.

Morgens war ich früh hellwach. Mit der ersten Dämmerung packte ich mein Zelt zusammen, beobachtete einen wundervollen Sonnenaufgang und macht mich auf den Weg.

Ich wusste, dass es nach 24.7 km seit Start das erste Mal Wasser gab. Hauser Creek heisst die Wasserstelle.

Es ging wieder rauf und runter. Vor allem durch Staub und Sand. Dutzende Eidechsen rannten an mir vorbei und zwei schwarze Schlangen verschwanden im Gebüsch. Ich war grosszügig mit meinem Wasserverbrauch, hatte ich doch sieben Liter mitgenommen. Doch in Hauser Creek weit und breit kein Wasser.

Es hiess auf der FarOut App, dass man zwei Meilen flussaufwärts Wasser finden würde. Das hätte bedeutet 3.2 km laufen mit der Unsicherheit, dass es kein Wasser gibt. ‘Do not stay, go away’ war der Tip, den mir später ein Amerikaner auf dem Trail gab.

Unbewusst habe ich das gemacht und machte mich auf den Weg direkt nach Morena Lake, wo ich am späteren Nachmittag eintraf.

Die meisten Hiker machen den Weg Terminus – Lake Morena in einem Tag. Für mich war das einfach zu viel. Ich war noch immer geschwächt von meiner Erkältung und dem Jet Lag.

Für mich war die Welt in Ordnung.

Ich stellte mein Zelt auf, beobachtete die Hiker rundherum und versuchte zu verstehen, was sie sich erzählten. Eine Dusche gab es auf diesem Campingplatz, was nach zwei Tagen einfach wunderbar war. Glücklich schlief ich wieder lange vor sechs Uhr abends ein! Langsam wurde mir klar, dass ich auf dem Pacific Crest Trail wanderte.

Der dritte Tag fing frostig an. Noch im Eindunkeln waren Hiker eingetroffen und schliefen im Cowboy Camp, also ohne Zelt. Bereits morgens um zwei wurde ich durch Rascheln von Zelten und dem zirren der Reissverschlüsse aufgeweckt. Die ersten Unermüdlichen machten sich auf den Weg.

Ich schlief weiter und war überrascht, wie kalt es geworden war. Das Zelt war mit einer eisigen Schicht überzogen. Hiker die ihre Kleider unter der Dusche ausgewaschen und sie an den Zeltschnüren aufgehängt hatten, waren sichtlich überrascht, dass alles steif gefroren war. Sogar das Kondenswasser im Innenzelt war angefroren.

Schon nach der ersten Übernachtung brauchte ich nun also die Wollmütze und die warme Daunenjacke. Auch die dicken Handschuhe kamen zum Einsatz um das Zelt abzubauen.

Dann wanderte ich Richtung Mount Laguna. Mein Ziel war der Fred Canyon & Stream nach ca. 21 Kilometern.

Der Stream war trocken wie der Staub auf dem ich wanderte. Doch ich war zum Glück mit sieben Litern Wasser gestartet.

Bei Ankunft waren wir gerade drei Hiker, die ihr Zelt aufbauten. Sigi aus Ohio, Tschudy aus Seattle und ich.

Ich war wieder nudelfertig und bereits um halb sechs verkroch im mich ins Zelt. Beim Einschlafen hörte ich noch viele Hiker ankommen und sich über den Trail unterhalten. Ich schlief tief und fest. Doch irgendwann musste ich einfach mal. Es ist so: Ich wälzte mich dann nochmals zwei Stunden, weil es war wieder empfindlich kalt geworden und ich lag so gemütlich im warmen Schlafsack mit Socken, Merino Unterwäsche, kuschliger Kappe und Daunenjacke. Jetzt da raus zu steigen war eine Tortur. Doch irgendwann ging es nicht mehr anders. Und es hat so gut getan, dass ich mich fragte, warum ich nicht schon viel früher aufgestanden bin. Auf jeden Fall schlief ich nachher noch ein paar Stunden tief und fest.

Als ich mich aus dem Zelt machte, waren die meisten Hiker schon verschwunden und bis ich abmarschieren konnten, war weit und breit keiner mehr zu sehen. Ich wusste, dass es nun lange aufwärts gehen würde. Unterwegs begegnete ich der ersten Klapperschlage, die sich aber schnell unter einem Stein versteckte. Sie hatte definitiv mehr Angst als ich!

Noch immer machte mir meine Erkältung zu schaffen. Ich war kurzatmig und der Rucksack war zu schwer. Die vielen Mahlzeiten lassen grüssen! Ich macht oft Pausen und da kam mir meine Schwester in den Sinn. ‘Mach immer dann Pause, wenn es nachher wieder abwärts geht!’ Das predigte sie mir damals als wir mit klein Marcel auf den Randen spazierten. Und nun in der Mojave Wüste kommen mir solche Dinge in den Sinn.

Ich wanderte fröhlich weiter. Langsam, aber sicher stank ich vor mich hin und freute mich auf mein Tinny House, das ich von unterwegs in Mount Laguna reserviert hatte. In diesem Tinny House soll es Dusche, Küche, Bett und Tisch haben. Es ist relativ teuer. 130 US $ die Nacht für einen Gast.

Doch vorher geht es weiter durch Sand und Staub. Mannshohe Büsche rechts und links soweit das Auge reicht. Immer wieder rennt eine Eidechse über den weg oder ein Kaninchen verschwindet im Gebüsch.

Dann plötzlich und ohne Vorwarnung ändert sich das Gesicht der Landschaft vollständig. Als ob ich im Nationalark im Engadin wandern würde. Dichter grüner Wald mit stämmigen Fichten und Lerchen. Lerchenzapfen so gross wie Blumenkohl und Eichhörnchen, die überall herum rennen. Es riecht wie in einem ein Vollbad mit Fichtengeschmack. Doch es ist kalt. Ein eisiger Wind geht. Jacke wieder angezogen und weiter marschiert. Doch dann bläst der Wind mal wieder nicht – wird es richtig heiss. Schnell mal hat es 35° C. Dann erreiche ich Mount Laguna

Wie auch Lake Morena ist Mount Laguna ein riesiger Camping Platz. Alles liegt im Cleveland National Forest.

Ich beziehe mein Tinny House, das ich für zwei Nächte gemietet habe und bin zuerst einmal enttäuscht!

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